Was für ein Anlass zur Verlegenheit: das Bild einer sehr feinen, sauberen, symmetrischen menschlichen Vagina. Ich habe keinerlei Verbindung zur Medizin; dieses Werk entstand durch das Zusammentreffen verschiedener Umstände.
Seit einiger Zeit experimentierte ich in mehreren Arbeiten mit Neonröhren als Lichtquelle zwischen halbtransparenten und reflektierenden Flächen. Eine Weiterentwicklung bestand darin, ein erkennbares Bild hinter der hintersten halbtransparenten Fläche anzubringen. Sichtbar werden sollte es ausschließlich durch das Licht, das zwischen zwei davorliegenden parallelen, teilweise reflektierenden Flächen hin und her geworfen wird, statt durch äußere Beleuchtung. Anstelle einer großen Öffnung, durch die die Lichtquelle sichtbar und damit Teil des Werks wäre, sollte sie hinter einer undurchsichtigen Frontplatte verborgen bleiben. In diese wurde ein schmaler Schlitz geschnitten, durch den die Betrachter ein Motiv hinter der Lichtquelle sehen konnten.
Bei meinem Versuch, einen symmetrischen und leicht ornamentalen Schlitz in diese Platte zu schneiden, nahm dieser unbeabsichtigt eine Form an, die an eine menschliche Vagina erinnerte. Nun, was sagt das über den Künstler aus? Ich überwand meine natürliche Zurückhaltung und hielt es für nötig, mich etwas mit diesem Gegenstand zu beschäftigen. Dadurch sollte etwas interessant werden, das sonst nur ein gewöhnliches Hard-Edge-Gemälde mit einem Loch gewesen wäre. Mit der Verbindung dieser beiden Elemente ergab sich der Titel von selbst. Da das Werk in Frankreich entstand, trägt es auch den Titel „La Brèche“.
Wirklich interessant ist, wie das zentrale Motiv in seinem uneindeutig definierten Raum zu schweben scheint: das Bild einer Yoni, das erscheint, verschwindet und wieder erscheint, wenn die Betrachter ihren Blickwinkel verändern.
Seit seiner Fertigstellung haben viele Menschen dieses Werk gesehen. Den Künstler erstaunt, dass es offenbar erwachsene Frauen am meisten interessiert. Die Person, die sich im Raum oder in der Galerie am befangensten fühlt, scheine stets ich zu sein.